26. Januar 2022

Interview & Rückblick auf Veganuary 2022

Veganuary 2022 war etwas ganz besonderes für Every. Wir haben mit Dr. Katharina Weiss-Tuider gesprochen, leiterin von Veganuary Deutschland leitet. Sie sprach über den Erfolg der weltweiten Veganuary-Kampagne 2022 und was in den nächsten Jahren auf uns VeganerInnen zukommen wird!

Interview & Rückblick auf Veganuary 2022

Veganuary 2022 war etwas ganz besonderes für Every. Mit unserer Eat More Plants Challenge haben wir unsere Community mit täglicher Inspiration und Motivation begleitet. Zusätzlich, haben wir unsere exklusive Every. x Veganuary Bowl gelaunched (unser köstliches Funghi Risotto). 

Um diesen aufregenden Monat und Jahresbeginn abzurunden, haben wir mit Dr. Katharina Weiss-Tuider gesprochen, die Veganuary Deutschland leitet. Sie sprach über den Erfolg der weltweiten Veganuary-Kampagne 2022 und was in den nächsten Jahren auf uns pflanzenbasierte Esser zukommen wird!


Wie viele Leute haben bei Veganuary 2022 mitgemacht im Vergleich zu 2021? 
 

Aktuell zählen wir noch aus – der Veganuary 2022 läuft ja noch bis Ende Januar. Doch schon jetzt können wir sagen, dass die diesjährige Kampagne die Zahlen des Vorjahres übertroffen hat. Im Rahmen des Veganuary 2022 haben sich weit mehr als 600 000 Menschen weltweit angemeldet - das macht ihn zum bislang größten Veganuary überhaupt. Dank einer Studie des Marktforschungsinstituts Kantar wissen wir zudem, dass sogar bis zu zehnmal so viele Menschen an Veganuary teilnehmen, wie sich tatsächlich offiziell über unsere Website registrieren. In diesem Jahr war mit Tübingen sogar erstmals eine Stadt offiziell beim Veganuary dabei. Eine riesige Zahl an Menschen startet rein pflanzlich ins neue Jahr und diese Bewegung wächst jedes Jahr weiter.

 

Hat der Fokus von der Veganuary-Mission geändert in den letzten Jahren? zB mehr ein Fokus auf Klimawandel?

Die Daten zur Motivation unserer Teilnehmenden werten wir noch aus. Doch unsere Umfragen aus den Vorjahren zeigen: Viele Teilnehmende entscheiden sich für eine vegane Ernährung auch über den Veganuary hinaus oder reduzieren ihren Konsum von Tierprodukten um mindestens die Hälfte. Ein Grund hierfür ist, dass sich eine rein pflanzliche Ernährung immer mehr als ein Multi-Problemlöser für die großen Herausforderungen unserer Zeit darstellt – und wie diese Herausforderungen mit dem überbordenden Konsum von Tierprodukten zusammenhängen. Das Wissen, dass wir eine Ernährungswende brauchen, um nicht nur endlich das Leid der industriellen Tierhaltung zu beenden und um die menschliche Gesundheit zu verbessern, sondern auch um effektiv Klima- und Umweltschutz zu betreiben, setzt sich immer mehr durch. Auch für Unternehmen stellen diese Auswirkungen unserer Ernährung auf uns und den gesamten Planeten eine immer größere Rolle – und umso größer wird auch die Rolle und Relevanz von pflanzen basierten Produkten und Alternativen.

 

Was sind die top 3 Gründe wieso Leute sich entscheiden sich pflanzlich zu ernähren? 

Wir fragen natürlich jedes Jahr unsere Teilnehmenden nach ihrer Motivation. Fast die Hälfte (46 %) gab im Rahmen des Veganuary 2022 an, dass Tierschutz für sie der zentrale Grund für den veganen Lebensstil ist, gefolgt von der persönlichen Gesundheit (22 %) und dem Schutz unserer Umwelt (21%). Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse für den Veganuary 2023! 

 

Habt ihr seit der COVID-19 Pandemie eine Veränderung in der Popularität des Veganismus festgestellt?

Auf jeden Fall! Eine 2020 durchgeführte Umfrage unter ehemaligen Veganuary-Teilnehmenden ergab, dass 32 % seit der Corona-Pandemie mehr zu rein pflanzlichen Lebensmitteln greifen. Und unter diesen gaben wieder 73 % an, dass sie sich so gesünder ernähren möchten. 43 % sagten, dass sie aufgrund der veränderten Situation mehr Zeit zum Kochen zu haben - hier zeigt sich also deutlich, wie häufig die Limitierungen des Berufsalltags Menschen in ihren Ernährungsentscheidungen einschränken. Und sehr wichtig ist natürlich auch, dass 41 % angaben: Wir greifen bewusst mehr zu veganen Lebensmitteln, da wir den Zusammenhang zwischen Tierhaltung und Pandemien erkannt haben. Dieser Faktor ist von großer Bedeutung, da Massentierhaltung eines der größten Risiken für zoonotische Krankheiten darstellt – also für Erreger, die unter den Bedingungen der Massentierhaltung entstehen, mutieren, und auf den Menschen überspringen. Durch eine pflanzliche Ernährung können wir dieses Risiko maßgeblich senken.

 

Was berichtet eure Community was die größten Herausforderungen sind bei einer pflanzlichen Ernährung? 

Mehr als ein Fünftel der befragten Teilnehmenden hat uns zurückgemeldet, dass der Austausch mit Freund:innen und Familie zum veganen Lebensstil die größte Herausforderung war. Als eine weitere Herausforderung nannten 15 % unserer Teilnehmenden vegan auswärts zu essen - gerade hier liegt als eine riesige Chance für Restaurants und Gastronomie, verstärkt pflanzliche Option auf die Karte zu setzen. Viele Teilnehmende nannten jedoch auch als Herausforderung, dass sie ihre gewohnten und geliebten Gerichte vermissen würden. Doch dank der immer vielfältigeren veganen Angebote gibt es mittlerweile beste Möglichkeiten, auch die typischen “Küchenklassiker” in köstlichen, rein pflanzlichen Varianten nachzukochen. Mit passenden Rezepten, Infos und Hinweisen auf Produkte und Möglichkeiten, Tierprodukte ganz einfach auszutauschen, unterstützen wir unsere Teilnehmenden im Rahmen des Veganuary. Gerade in diesem Jahr sind eine enorme Anzahl an gastronomischen Betrieben – auch Systemgastronomien und Caterer in Betriebsrestaurants – beim Veganuary dabei. So wird auch das Auswärtsessen, angestoßen durch unsere Kampagne, für alle, die rein pflanzliche Alternativen suchen, immer einfacher. 

 

Wie viele Teilnehmer*innen bleiben vegan nach Veganuary?

Im Anschluss an den Veganuary 2021 planten 85 % der Teilnehmenden, die sich vorab nicht pflanzlich ernährt haben, auch nach ihrer veganen Challenge vegan weiterzuessen oder ihren Konsum von Tierprodukten um mindestens die Hälfte zu reduzieren. Das ist ein tolles Feedback, das zeigt, wie gut unsere Unterstützung im Rahmen des Veganuary funktioniert, und dass es viele Menschen dann doch einfach und zugleich wohlschmeckend und insgesamt vorteilhaft finden, sich weiterhin pflanzenbasiert zu ernähren. Und ganz unabhängig vom „Weitermachen“: 98 % der Veganuary-Teilnehmenden würden die vegane Challenge weiterempfehlen. Das freut uns natürlich sehr!

 

Was ist Deine Hauptmotivation bei Veganuary mitzumachen?

Mir selbst ist wichtig, mit einem großartigen Team möglichst viel Impact zu erzeugen - für die Tiere, für Klima und Umwelt, für die sogenannte “planetary health”, von wir alle profitieren. Und da wir bereits mitten in der Klimakrise stecken und die warnenden Stimmen immer lauter werden, dass die Artenvielfalt auf unserem Planeten zusammenzubrechen droht – durch unseren eigenen Einfluss –, müssen wir jetzt handeln. Und so viel mittlerweile weltweit passiert: Leider steht gerade das Thema Ernährung, das uns alle in unserem Alltag betrifft und dessen Auswirkungen wir als Einzelpersonen durch unsere täglichen Entscheidungen auch mehrfach und ganz direkt beeinflussen können, häufig noch immer nicht so weit oben auf der Agenda, wie es auch die Fakten und immer deutlichen Forderungen aus der Wissenschaft einfordern. Veganuary ist eine impact-geleitete Organisation, die eine weltweite Bewegung schafft und durch die Teilnahme von Einzelpersonen und Unternehmen eine gigantische Kraft und Dynamik erzeugt. Eine Dynamik, an der wir nicht nur alle mitwirken können, sondern die auch für alle Beteiligten Vorteile bietet. 

 

Was sind Deiner Meinung nach die beeindruckendste Entwicklungen im pflanzlichen Food-Bereich in den letzten Jahren? 

Wir sind vor allem in diesem Jahr aus dem Staunen kaum noch herausgekommen. Allein in Deutschland haben mehr als 400 Unternehmen aktiv am Veganuary teilgenommen und in diesem Rahmen neue Produkte oder Gerichte veröffentlicht oder besondere Angebote und Aktionen bereitgehalten. Ob große Restaurant-Ketten oder kleine Delis, Supermarktketten oder Bioläden, produzierende Unternehmen oder auch der Catering-Sektor – sie alle haben rein pflanzliches Essen so deutlich wie noch nie in den Vordergrund gerückt. Wahrscheinlich war der Einstieg in vegane Ernährung noch nie so einfach wie im Januar 2022. 

Meine größte Begeisterung gilt weniger Einzelprodukten als vielmehr der Vielfalt und den Wahlmöglichkeiten, die mit dieser einhergehen. Der vegane Markt bietet heute Clean-Label-Produkte, Fleisch- und Fischalternativen, die geschmacklich nicht mehr von der “alten” Variante “mit Tier drin” zu unterscheiden sind; es gibt healthy food und es gibt junk food in allen Variationen, von bio bis konventionell produziert. Und diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren noch beschleunigen. Egal, wo ich als Konsument:in heute einkaufe, welche Geschmacksvorlieben oder welches Budget ich habe: Ich habe eine riesige Auswahl.

 

Wie würde die Welt aussehen wenn alle sich pflanzliche ernähren würden?

Eine vegane Welt bedeutet eine Welt ohne industrielle Tierhaltung und Schlachthöfe. Eine Welt, in der unsere Nahrungsmittelproduktion keine Wälder zerstört, Flüsse und Ozeane verschmutzt, den Klimawandel verschärft und dazu beiträgt, dass die Artenvielfalt auf unserem Planeten kollabiert. Also eine Welt, wie wir sie uns eigentlich wohl alle wünschen. 

 

Was sind Deine Hoffnungen für 2022?

Wir schauen schon jetzt, zum Ende der aktuellen Kampagne 2022, voller Vorfreude auf den Veganuary 2023. Natürlich werden wir hart daran arbeiten, dass unsere Bewegung wächst und wächst - und dass immer Menschen und Unternehmen verstehen und danach handeln, wie wichtig die Ernährungswende für uns alle, für unseren ganzen Planeten ist.

Übrigens: Wir sind super happy, dass Every in diesem Jahr wieder Teil des Veganuary war! Mit euren Angeboten und dem wahnsinnig delikaten Risotto zum Veganuary 2022 habt ihr einen tollen Beitrag geleistet, noch mehr Menschen für die pflanzliche Ernährung zu begeistern. Wir freuen uns darauf, weiterhin so wunderbar zusammenzuarbeiten!